Der Schnee schmilzt und ist doch kaum gefallen. Und so schmilzt auch die Wärme unter dem Schnee. Grau ist der Himmel, so grau als könnte da noch mehr kommen. Aber es sind keine Flocken, es ist nur Regen. Regen ... Nichts regt sich mehr. Da ist nur das Bleituch des Himmels; nur dieser lähmende Augenblick und das Seufzen und der stumme Schrei hinter euren Händen, die zusammengewachsen sind wie am Waldrand das frische Sommergesträuch. Hände... Waren so kleine Hände, wie Töne in sanftem Moll, zart wie die Kohlmeisen an der Birke dort drüben, waren so kleine Füße so frisch, so neu, so wunderbar wie eine erste Spur im Schnee. Schnee ... Ach, den Schnee braucht die Erde ja, und, wenn er geht, den Regen, und alle Tränen fließen ins dunkle Meer und alle Augenblicke sinken in die Stille, und jeder Seufzer und jeder Schrei wird zum Ton im großen Akkord des Sterbens und des Lebens. Lebe...
Ich bin kein Christ, aber gelegentlich entdecke ich christliche Texte, denen ich zustimmen und die ich zu den meinen machen kann. Folgender Gebetstext erscheint mir doppelt gut: zum einen, weil er eine klare Gegenposition zur aufkeimenden Kriegsbegeisterung bezieht (er wird gern Franz von Assisi zugeschrieben, entstand aber vermutlich 1912 kurz vor dem Ersten Weltkrieg), zum anderen wegen seines mystischen Charakters. Erst in der Stille entfalten diese Worte ihre Kraft: Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens, dass ich liebe, wo man hasst; dass ich verzeihe, wo man sich beleidigt; dass ich verbinde da, wo Streit ist; dass ich die Wahrheit sage, wo der Irrtum herrscht; dass ich Zuversicht bringe, wo der Zweifel quält; dass ich die Hoffnung wecke, wo Verzweiflung droht; dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert; dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt. O Herr, lass mich trachten: nicht nur, dass ich getröstet werde, sondern dass ich trö...
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